Während unsereins sich vermeintlich im gerade fast schon vergangenen Winter hinterm Ofen verkrochen hat, hat sich an der March hinsichtlich Naturschutz wieder einiges getan!


Die March ist ein Tieflandfluss und würde sich demzufolge eigentlich in breiten Mäandern der Mündung entgegen schlängeln. Wenn man sie nur lassen würde. In den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie den damaligen Paradigmen im Wasserbau folgend zwecks Hochwasserschutz und auch zur Verbesserung der Schiffbarkeit begradigt. Die Ufer wurden mit Steinen und Betonplatten befestigt, die Schlingen blieben meist als sogenannte Hufeisenteiche erhalten.


(Foto: Gastinger/WWF)


Diese Maßnahmen haben den Populationen von Fischen, Muscheln und in der Folge auch Brutvögeln herbe Einbußen beschert. In den Jahren nach der Regulierung ist beispielsweise die Fisch-Biomasse in der March um 95% reduziert worden. Der Fluss hat sich durch die Regulierung eingetieft und die Au hat immer weniger Wasser bekommen. Mittlerweile hat gottseidank ein Umdenken stattgefunden. In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen des EU-Projektes "Life+ Untere Marchauen" viele Maßnahmen getätigt, unter anderem sind ehemalige Nebengerinne der March wieder ausgebaggert und an den Fluss angeschlossen worden, um den Marchauen wieder mehr Flusswasser zukommen zu lassen. Das hat bereits messbare Erfolge gezeitigt, die Populationen wachsen wieder von Jahr zu Jahr.


Die Entfernung der Uferverbauung (Steine, Betonplatten) hingegen ist eine heikle Sache, weil im Staatsvertrag zwischen der Slowakei und Österreich die Flussmitte der March als Staatsgrenze defininert ist. Und Staatsverträge über den Grenzverlauf ändert man nicht "einfach so". Außerdem sind natürlich grundrechtliche Fragen auf beiden Seiten der March ein Thema. Welcher Grundbesitzer schaut schon gerne zu, wenn ihm der Fluss Jahr für Jahr seinen Wald abgräbt und die Bäume ins Wasser fallen?
 


(Foto: Gastinger/WWF)


Im vergangenen Winter nun konnte im Rahmen des EU-Interreg-Projektes "Kli-Ma" (Klimaschutzmaßnahmen) mit der Slowakei eine Einigung erzielt werden, derzufolge ein paar hundert Meter der Marchufer im Bereich des WWF-Auenreservates Marchegg von der Befestigung befreit werden. Wir Naturliebhaber dürfen hoffen, dass es sich bei dem 700 Meter langen Stück auf österreichischer und dem 300 Meter langen auf slowakischer Seite nur um einen ersten Schritt handelt. Erfreulicherweise entsteht dadurch auf österreichischer Seite ein 2 km langes Stück unverbautes Ufer. Da es sich bei dem jüngst befreiten Ufer um ein sog. Prallufer handelt (das ist die Biegungsaußenseite einer Flussbiegung), kann man hier sicher in den nächsten Jahren schon deutliche Veränderungen wahrnehmen. Und diese Veränderungen werden nicht nur das Auge des Naturliebhabers erfreuen, sondern unter anderem auch Jungfischen und anderen Tieren und Pflanzen das Leben leichter machen!