Dieser Sommer zeigt einmal mehr, wie empfindlich unsere Flüsse auf Hitze und Trockenheit reagieren. Viele österreichische Flüsse gingen bereits mit deutlich unterdurchschnittlicher Wasserführung in den Hochsommer. Laut WWF lagen im Juni die Abflüsse an rund 85 Prozent der österreichischen Pegelmessstellen unter dem langjährigen Mittel, bei mehr als 40 Prozent sogar im Bereich „sehr niedrig“. Wie die Medien berichteten, war auch die Schifffahrt in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt möglich. Die Kanufahrten waren dennoch nicht wirklich betroffen, da wir mit unseren 10 bis 15 cm Tiefgang eben andere Voraussetzungen brauchen als ein Frachtschiff.
Für einen Fluss bedeutet Niedrigwasser aber weit mehr als Probleme für die Schifffahrt. Wenn weniger Wasser fließt, erwärmt sich der Fluss schneller, der Sauerstoffgehalt kann sinken und Fische, Muscheln, Insekten und andere Wasserbewohner geraten zunehmend unter Stress. Besonders kritisch wird es für kleinere Seitenarme und flache Gewässerbereiche, die bei anhaltender Trockenheit teilweise vom Hauptstrom abgeschnitten werden können. Wir haben bei den Kanu-Touren auch eindrucksvoll gesehen, dass es zuerst die großen Fisch erwischt, ihnen geht zu erst der Sauerstoff aus.
Aber auch Blaualgenblüte ist ein Thema. Wenn das Wasser immer wärmer wird und die Nährstoffe aus den Äckern und Kläranlagen weiterhin in die Flüsse laufen, haben die Blaualgen Hochsaison. Sie entziehen dem Wasser den letzten Sauerstoff, die Fische und andere Organismen, die vom Sauerstoff im Wasser abhängen, sterben großflächig.
Bei diesen Themen hier zeigt sich, wie wichtig eine natürliche Flusslandschaft ist. Auwälder, Feuchtgebiete, Nebenarme und Überschwemmungsflächen können Wasser in der Landschaft zurückhalten und langsam wieder an den Fluss abgeben. Ein Fluss, der mit dem Auwald über die Überschwemmungen verbunden ist, speichert das Wasser der Überschwemmungen im Schotterkörper, und gibt es bei Trockenheit wieder an den Fluss ab. Ein natürlicher Fluss ist deshalb nicht nur ein Lebensraum – er ist auch ein wichtiger Wasserspeicher.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Sommer: Ein lebendiger Fluss braucht nicht nur Wasser. Er braucht auch Platz, um mit zu viel – und mit zu wenig – Wasser umgehen zu können. Und deshalb sind die Erfahrungen, welche die Gesellschaft in den letzten Wochen gemacht hat, eine gute Nachricht für den Naturschutz und uns Flussliebhaber. Den Menschen und auch den verantwortlichen Stellen wurde hier deutlich vor Augen geführt, was die Begradigung unserer Flüsse und das Abtrennen vom Auwald für negative Konsequenzen hat. Für die Natur, aber auch für uns Menschen. Und erst letzteres bringt dann oft die Politik erst von Wahlkampfreden ins Tun! (Fotos: WWF)
