
Die Mur ist kein wilder Alpenfluss mehr. Aber sie ist auch kein toter Kanal. Sie ist etwas Drittes: ein Fluss im Aushandlungszustand. Zwischen Energiegewinnung und Naturschutz, zwischen Hochwasserschutz und Huchen, zwischen Stauraum und Kiesbank. Und genau deshalb ist sie einer der spannendsten Flüsse Österreichs.
Im Oberlauf rund um Murau zeigt die Mur noch, wie ein Alpenfluss eigentlich aussehen möchte. Breite Kiesbänke, verzweigte Rinnen, kaltes, sauerstoffreiches Wasser. Hier kann man noch erahnen, wie dynamisch Flüsse früher waren: ständig in Bewegung, ständig im Umbau, nie ganz fertig. Kies wird verlagert, Ufer brechen ab, neue Inseln entstehen. Diese Unordnung ist kein Mangel – sie ist das System.
Viele sprechen vom „Kanu“, meinen aber oft ganz unterschiedliche Boote – denn der Begriff Kanu umfasst mehrere Bootstypen mit jeweils eigener Geschichte, Bauweise und Einsatzweise. Grundsätzlich unterscheidet man vor allem zwischen Kanadier und Kajak, daneben gibt es moderne Mischformen wie offene Kajaks und Sit-on-top-Modelle, die besonders bei Einsteigern beliebt sind.
Der Kanadier, auch als offenes Kanu bekannt, stammt ursprünglich von den indigenen Völkern Nordamerikas. Diese Boote wurden traditionell aus Birkenrinde oder ausgehöhlten Baumstämmen gefertigt und dienten dem Transport von Menschen, Ausrüstung und Jagdgut über Flüsse und Seen. Typisch für den Kanadier ist die offene Bauweise und das einblättrige Stechpaddel, mit dem meist kniend oder sitzend gepaddelt wird. Kanadier bieten viel Platz, sind sehr kippstabil und eignen sich hervorragend für gemütliche Touren mit Familie oder viel Gepäck auf ruhigem Gewässer.
Wir sind ja stets darum bemüht, neue Strecken zu finden, die sowohl anfängertauglich als auch für unsere Kunden gut erreichbar sind. Und genau so eine neue Strecke kann ab sofort in unserem Programm gepaddelt werden. Es handelt sich dabei um einen Rundkurs, womit der Personentransport entfällt, weil wir wieder am Startpunkt ankommen. Das ist dermaßen möglich, dass wir auf der neuen Thaya starten, ein Stück flussabwärts in den strömungsfreie "Alte Thaya" (tschechisch Stará Dyje) welchseln und auf ihr wieder auf verschlungenen Wegen durch die Au zurückpaddeln. Ein Abschlussstück auf der neuen Thaya bringt uns dann wieder zum Startpunkt zurück.
Auf unseren Touren bekommen wir viele Tipps und farbige Schilderungen über Flussabschnitte, die wir noch in unser Programm aufnehmen könnten. Oft führt das zu tiefergehenden Recherchen und manchmal auch zu Probefahrten und Lokalaugenscheinen. Das ist sehr gut, denn noch sind wir nicht dort angelangt, dass wir unser Angebot für so komplett halten, dass wir keine neuen Strecken mehr dazunehmen würden. Im Folgenden möchte ich euch einen Einblick geben, was eine Kanu-Strecke alles "können muss", um in unser Programm aufgenommen zu werden.
Auf meinen Kanu-Touren merke ich oft, dass meinen Teilnehmern ein Gefühl dafür fehlt, was eigentlich ausgedehnte natürliche Augebiete so speziell macht. Daher möchte ich hier einmal näher darauf eingehen und ein bisschen Licht in die Sache bringen.
Man würde meinen, jeder Wald, der am Wasser liegt, sei ein Auwald. Dem ist aber leider heute nicht mehr so. Richtige Auwälder werden regelmäßig, zumeist zumindest einmal pro Jahr, von dem über die Ufer tretenden Fluss überschwemmt. Genau das ist bei den allermeisten unserer Flüsse heute nicht mehr gegeben. Dämme, die meist an beiden Ufern relativ direkt neben dem Fluss verlaufen, sowie eine künstlich begradigte Fließstrecke mit befestigten Ufern gehören in Mitteleuropa heute eher zur Regel. Wenn hinter dem Damm ein Wald ist, hat er in den allermeisten Fällen die Charakteristik eines Auwaldes verloren, oder ist im Extremfall eine Monokultur aus nicht mehr fortpflanzungsfähigen "Hybridpappeln".
